Zurück zur News-Übersicht

Arbeitgeber warnen vor weiteren Einschränkungen bei flexiblen Beschäftigungsformen

agvbw19

04.09.2017

Dick: „Zeitarbeit und Befristungen haben großen Beitrag zur positiven Arbeitsmarktentwicklung geleistet“

STUTTGART – Trotz eines saisonal bedingten Anstiegs der Arbeitslosigkeit im August präsentiert sich der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg weiterhin in einer starken Verfassung. „Neben der guten konjunkturellen Entwicklung haben flexible Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit und Befristungen einen großen Beitrag zur positiven Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre geleistet“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber Baden-Württemberg, Peer-Michael Dick, am Donnerstag in Stuttgart: „Wir sehen Forderungen im Bundestagswahlkampf nach einer noch stärkeren Regulierung dieser Beschäftigungsformen deshalb mit Besorgnis. Weitere Einschränkungen würden dazu führen, dass sich das Tor in Beschäftigung für viele schließt.“


Insbesondere Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose haben dank flexibler Beschäftigungsformen wieder vermehrt zurück in den Arbeitsmarkt gefunden. Rund ein Drittel der Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung aufnehmen, kehren über die Zeitarbeit in den Arbeitsmarkt zurück. „Für viele dieser Menschen wäre die Alternative zur Zeitarbeit eben nicht ein Beschäftigungsverhältnis beim Kundenunternehmen gewesen, sondern die Arbeitslosigkeit“, bemerkte der Vertreter des Spitzenverbandes der Arbeitgeberverbände im Südwesten.


Für Berufsanfänger und Berufsrückkehrer sind befristete Arbeitsverhältnisse ein wichtiges und akzeptiertes Modell für den Einstieg in den Arbeitsmarkt. „Befristungen steigern die Einstellungschancen für Menschen ohne Berufserfahrung oder mit langer Erwerbsabstinenz und können so Arbeitslosigkeit verhindern oder beenden“, erläuterte Dick: „Eine Abschaffung von sachgrundlosen Befristungen würde die Chance der Betriebe einengen, Beschäftigte bei guter, aber noch unsicherer Auftragslage einzustellen.“

Für Unternehmen sind Befristungen auch unverzichtbar, um familienbedingte berufliche Auszeiten ihrer Mitarbeiter auszugleichen. „Je besser die betrieblichen Möglichkeiten sind, solche Auszeiten zu kompensieren, desto besser sind auch die Möglichkeiten, den Mitarbeitern solche Modelle zur flexiblen Arbeitsgestaltung anzubieten“, sagte Dick.


In der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode sei die Flexibilität der Unternehmen leider schon gefährlich weit beschnitten worden, so der Arbeitgebervertreter. „In konjunkturell guten Zeiten mag dies noch ohne sichtbare Folgen bleiben, doch wenn der Wind einmal dreht, kann das gefährlich werden“, warnte er. „In der kommenden Legislaturperiode muss die Politik deshalb wieder mehr Wirtschaft wagen und die Belange der Unternehmen stärker in den Mittelpunkt rücken.“

Alle News im Kurzüberblick