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Arbeitgeber: Starke Entwicklung des Arbeitsmarkts nicht durch falsche Weichenstellungen bei Regierungsbildung gefährden

agvbw21

03.01.2018

Dulger: „Flexible Beschäftigungsformen dürfen nicht weiter eingeschränkt werden“

STUTTGART – Die Arbeitslosenzahlen in Baden-Württemberg sind im Dezember entgegen dem üblichen jahreszeitlichen Trend weiter gesunken. „Die starke Entwicklung des Arbeitsmarkts darf jetzt aber nicht durch falsche Weichenstellungen bei der Bildung einer neuen Bundesregierung gefährdet werden“, warnte der Präsident der Arbeitgeber Baden-Württemberg, Dr. Rainer Dulger, am Mittwoch in Stuttgart: „Zentral ist hier unter anderem, dass Union und SPD in ihren Sondierungsverhandlungen die flexiblen Beschäftigungsformen nicht weiter einschränken. Denn das würde gerade den Schwächsten am Arbeitsmarkt, nämlich Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten, den Einstieg in den Arbeitsmarkt erschweren.“

Der baden-württembergische Arbeitgeberpräsident sprach sich in diesem Zusammenhang strikt gegen die von den Sozialdemokraten geforderte Abschaffung der sachgrundlosen Befristung aus:

„Sie ist ein wichtiges Flexibilisierungsinstrument für die Unternehmen, die mit globalen Marktschwankungen konfrontiert sind, und deshalb oft nicht abschätzen können, ob ein Anstieg der Aufträge ein kurzfristiges Hoch ist oder sich die Auftragslage langfristig auf hohem Niveau stabilisiert.“ In einer solchen Lage erleichtere die sachgrundlose Befristung die Entscheidung des Unternehmers, überhaupt neue Arbeitsplätze zu schaffen, so Dulger.

„Die Chance, direkt aus einer befristeten Beschäftigung mit oder ohne Sachgrund in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden, ist in den letzten Jahren stark gestiegen“, erläuterte der Arbeitgeberpräsident. Laut dem IAB-Institut der Bundesagentur für Arbeit wurden zuletzt rund 40 Prozent der befristet Beschäftigten unmittelbar in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. „Insgesamt erhielten fast drei Viertel der befristet Beschäftigten in ihrem Betrieb eine Anschlussbeschäftigung“, sagte Dulger. Heute gebe es so viele unbefristete Arbeitsverhältnisse wie noch nie. Im Durchschnitt der letzten Jahre wachse ihr Anteil immer weiter. „Es gibt daher keinen vernünftigen Grund, warum das für die Unternehmen so wichtige Instrument der sachgrundlosen Beschäftigung jetzt einfach abgeschafft werden sollte“, sagte er.

Zum Thema „Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit“ meinte Dulger, die künftige Bundesregierung solle besser Sorge dafür tragen, dass ausreichend Ganztagsplätze in Kindergärten und Schulen zur Verfügung stünden: „Denn wenn Beschäftigte heute nicht in Vollzeit zurückkehren können, liegt dies in der Regel nicht an betrieblichen Gründen, sondern an fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten.“ Die Arbeitgeber stünden den Wünschen ihrer Beschäftigten nur selten im Wege, wenn diese ihre Arbeitszeit wieder verlängern möchten. „Wir wollen auch weiterhin auf partnerschaftliche Lösungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern setzen“, erklärte er.

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